kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

Altes Amtshaus in Kierspe

Brauchtum / Heimatkultur

Friedrich-Ebert-Str. 380
58566 Kierspe

E-Mail: Dorette.Vormann-Berg@kierspe.de
URL: www.kierspe.de

Am 15. April 1909 wurde das damals neue Amtshaus in der Friedrich-Ebert-Str. 380 eingeweiht. Dabei handelte es sich seit der Gründung des Amtes Kierspe im Jahre 1846 schon um das 4. Amtshaus. Unter diesem Begriff verstand man nämlich zunächst nur das Haus, in dem der jeweilige Amtmann wohnte, in dem auch das Amtsbüro untergebracht war. Entsprechend lag das erste Amtshaus in Eicken, wo Tilman Siebel wohnte, das nächste lag im Hause des Amtmanns Wehner zwischen der damaligen Schmiede- und Pulverstraße im Dorf Kierspe. Nach der Bestätigung des Karl Heinrich Hermann Büren als Amtmann in Kierspe begab man sich auf die Suche nach einem „neuen“ Amtshaus, das an der damaligen Hauptstraße aus dem Besitz des Wirtes Albrecht Loewenstein erworben wurde. Älteren Kiersper Bürgern ist dieses Haus noch als Bäckerei Ohmann bekannt. Als das Amtsbüro für die Verwaltung nicht mehr ausreichte, entschloß sich die Amtsvertretung zu einem Neubau, dessen Planung einer eigens dafür gewählten Kommission übertragen wurde, an deren Spitze der damalige Landrat des Kreises Altena, Fritz Thomée, stand. Dem Vorschlag dieser Kommission folgend, beschloß die Amtsvertretung des Amtes Kierspe, den Neubau des Amtshauses an der alten Chaussée am Ortsausgang des Dorfes errichtet wurde. Die Planung und Bauüberwachung wurde dem Gummersbacher Architekten Piefer, die Ausführung dem Bauunternehmer Wengenroth übertragen.
Das Amtshaus wurde in zweigeschossiger Bauweise im bergischen Stil erbaut. Das Kellergeschoß besteht aus Bruchsteinen, die darüber liegenden Geschosse
sind verputzt. Auffällig ist die mächtige Freitreppe, die dem ganzen Gebäude sein charakteristisches Aussehen verleiht. Die „Lüdenscheider Zeitung“ charakterisierte das Haus in ihrem Beitrag zur Einweihung als „kernfest, fast trotzig, wie die Berge, in seiner Einfachheit und Solidität der Landschaft angepasst, in welche es hereingestellt ist.“

Im Kellergeschoß wurde zusätzlich zu den beiden Gefängniszellen eine Wohnung eingerichtet, die an eine Person zu vermieten war, der auch die Versorgung der Gefangenen und die Reinigung der Büroräume anvertraut werden sollte. Im Erdgeschoß lagen die Büroräume, sowie ein kleiner und größerer Saal für die Sitzungen der Amtsvertretung. Die Vorhalle, die man über die Freitreppe erreichte. wurde mittels 7 aus Eichenholz gefertigten Türen besonders gestaltet, in den Sitzungssaal wurde eine Paneele aus Eichenholz eingebaut. Der auch heute noch vorhandene gemauerte Tresor mit einer feuerfesten Tür wurde von der Dortmunder Firma Pohlschröder geliefert.
Zur Erstausstattung gehörte eine Warmwasserheizung, deren schmucke Heizkörper noch heute vorhanden sind. Der Bau der Heizanlage wurde an die Firma Reinartz in Troisdorf vergeben.

Über den Amtsräumen befanden sich die Wohnung des Amtmannes und das Dachgeschoß. An der Frontseite wurde das Haus durch eine Bruchstein-mauer zur Chaussée hin eingefriedet. Um das Gebäude herum befand sich der vom Amtmann genutzte Garten.

Am 29. Juni 1909 wurde der Amtsversammlung die Abrechnung über das Amtshaus vorgelegt. Darin betrug die Bausumme für das eigentliche Gebäude 37. 852 Mark, für Nebenarbeiten, wie Zentralheizung, Einfriedung des Terrains, Herrichtung des Vorplatzes, Inneneinrichtung und Architektenhonorar waren 8.900 Mark fällig. Weitere 500 Mark wurden für Randsteine und die Kunstsandsteine der Treppenwangen an der Freitreppe verausgabt. Damit ergab sich eine Gesamtkostensumme von 51.852 Mark für das Amtshaus, welches heute von der Volkshochschule Volmetal und dem Heimatverein Kierspe genutzt wird.
Hans-Ludwig Knau
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