kulturregion südwestfalen

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Löher Mühle (Löhrmühle)

Brauchtum / Heimatkultur

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58553 Halver


Die Mühle im Tal der Ennepe hat möglicherweise schon im 15.Jahrhundert bestanden. Zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde sie 1552, als der damalige Eigentümer - das St.Gereon-Stift in Köln - die Mühle an Dietherich von Halverscheid verpachtete. Ursprünglich wurde sie als 'Eichhofer Mühle' bezeichnet, erst 1811 erhielt sie ihren heutigen Namen. 1589 ging die Mühle aus dem geistlichen Eigentum in Adelsbesitz über, zunächst an den Ritter von Edelkirchen, dann an der Freiherrn von Holtzbrinck aus Altena, in dessen Familienbesitz die Mühle rund 170 Jahre verblieb. Die Löher Mühle war keine Bannmühle, bei der die ortsansässigen Bauern gezwungen waren, nur hier ihr Korn mahlen zu lassen, sondern hatte den Status einer Privatmühle, zu der viele Bauern freiwillig kamen. Sie bediente in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts rund 500 Landwirte, die aus den Ortschaften Eichhofen, Glörfeld und Öckinghausen kamen. Sie gehörte damit zu den Privatmühleri mittlerer Größe, hatte aber im Laufe der Jahrzehnte erhebliche Verluste hinzunehmen: Um 1800 waren es nur noch 115 Bauern, die ihr Korn zum Mahlen brachten. Ursächlich für diese Entwicklung war zum einen die Tatsache, daß die meist ungelernten Mühlenknechte nicht in der Lage waren, technische Mängel zu beseitigen, während die Pächter nur am wirtschaftlichen Gewinn, nicht aber am Erhalt von Gebäude und Mahlwerk interessiert waren. So kam es, daß die Mühle gegen Ende des 18.Jahrhunderts wegen Baufälligkeit jahrelang still stand. 1805 wurde sie daher grundlegend umgebaut und erhielt ihre heutige Form. 1811 verkaufte Ludwig von Holtzbrinck Bauernhof und Mühle an Johann Hermann Neuhaus, dessen Familie die Mühle weitere 160 Jahre bewirtschaftete. Letzter Müller war Eduard Neuhaus, der Hof und Mühle 1952 an seinen langjährigen Pächter Otto Fischer verkaufte und das Gebäude bis in die 1970er Jahre hinein in Ordnung hielt. Die Mühle war auch weiterhin in Betrieb und konnte daher funktionsfähig erhalten bleiben. Angetrieben wird die Mühle durch das Wasser der Ennepe. Etwa 250m oberhalb des Gebäudes zweigt von der Ennepe der Obergraben ab, der das Wasser nach Bedarf der Mühle zuführt. Auf den letzten zwanzig Metern verengt sich der Obergraben zu einem schmalen, tiefen Kanal. Das Wasser fließt dann weiter durch ein Rohr und treibt das oberschlächtige Rad der Mühle an. Über Zahnräder wird die Kraft vom Wasserrad auf die Mühlsteine übertragen. Parallel hierzu dreht sich ein Nockenring mit, der über einen Holzstab den 'Rüttelschuh' antreibt. Dieser läßt das Getreide in gleichmäßigem Strom durch die Öffnung des Läufersteins rieseln, wo es zwischen die Mühlsteine gelangt und dort zerquetscht wird. Durch den Mehlschacht hindurch fällt es in den Auffangsack, der im Untergeschoß aufgehängt Ist. Die Höhe des Mahllohns ('Multer) betrug in der Regel 4% des angelieferten Korns, so daß sich im Mühlengebäude beachtliche Mengen von Mehl und Getreide ansammelten. Im benachbarten Bauernhof wurde daher eine Bäckerei eingerichtet. Brot und Backwaren wurden mit einem Pferdekarren ausgefahren und in den umliegenden Dörfern verkauft. Im Laufe der 1980er Jahre wurde die Mühle mit Hilfe der Stadt Halver, des Märkischen Kreises und des Westfälischen Amtes für Denkmalpflege restauriert. Das ursprüngliche Bruchsteinmauerwerk wurde freigelegt, der Obergraben durch eine Stützmauer gesichert und einer der beiden Mahlgänge wieder betriebsbereit gemacht., so daß jederzeit wieder Roggenschrot für Vollkornbrot gemahlen werden kann. Ansprechpartner: Helene Schölzel, Anita Esken / Eckhard Pesch
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