kulturregion südwestfalen

Gruppen/ Institutionen

St. Marienkirche Siegen

Sehenswürdigkeit

Löhrstraße
57072 Siegen

E-Mail: A_Junge@Siegen.de
URL: www.siegen.de

Die heutige katholische Pfarrkirche Marienkirche und vormalige Jesuitenkirche Mariäe Himmelfahrt an der Löhrstraße erlangt ihre Bedeutung als einziger in Siegen erhaltener Sakralbau aus der Barockzeit. Eigentliche Ursache des Neubaus war der große Stadtbrand am 20. April 1695, dem die damals simultan genutzte Johanneskirche an der Kölner Straße zum Opfer fiel. Sie wurde zwischen 1487 und 1490 als Nachfolgerin der jenseits der Stadtmauer gelegenen alten Johanneskirche gebaut. Stifter dieser Franziskanerkirche war Graf Johann V. zu Nassau, KatzeneInbogen, Vianden und Diez, Herr zu Breda, Diest und Grimbergen.

Die katholischen Christen der Stadt hatten, abgesehen von der Hauskapelle des Jesuitenkollegs an der Burgstraße, kein Gotteshaus zur Verfügung. Da die reformierte Fürstin Ernestine Charlotte die in unmittelbarer Nähe ihrer Residenz befindliche Johanneskirche nicht wiederaufbauen wollte, musste mit dem katholischen Fürstenhaus unter Johann Franz Desideratus am 28. Juli 1698 ein Vertrag geschlossen werden, der letztendlich die Einigung über die konfessionellen Besitzstände in Siegen erbrachte. Damit waren die Voraussetzungen zum Bau der neuen Kirche auf einem an der Löhrstraße gelegenen Grundstück geschaffen worden, wo bis zum Stadtbrand noch vier Wohnhäuser gestanden hatten. Hierzu beriefen die Siegener Jesuiten den begehrten, ordenseigenen Architekten, Laienbruder Anton Hülse, um die Pfarr- und Kollegskirche zu entwerfen und die Bauarbeiten zu leiten. Er hatte zuvor schon Kirchbauten in Coesfeld, Paderborn und Münster erstellt.

Am 22. Juni 1702 wurde in Anwesenheit der Fürstin Maria Anna Josepha, Gemahlin von WiIhelm Hyazinth, Fürst zu Oranien und Nassau-Siegen, der Grundstein der Marienkirche gelegt. Während der Erbauung nahm man auch die Verlegung der gräflichen Grabstätten vor. Die Umbettung erfolgte aus der Krypta der durch den Brand zerstörten Johanneskirche in den Chorraum der noch nicht vollendeten Marienkirche und umfasste die sterblichen Überreste von acht Personen, darunter auch der besagte Stifter des Klosters zu Siegen, Graf Johann V. und seine Familie. Die Konsekration durch den Mainzer Weihbischof Dr. Caspar Adolf Schnernauer fand am 16. Oktober 1729 statt. Die Jesuitenkirche St. Marien war somit der erste katholische Kirchenbau des Siegerlandes nach der Reformation und ist heute älteste katholische Pfarrkirche des Dekanates Siegen. In ihrer barocken Konzeption enthielt sie eine ebensolche Ausstattung. Zentraler Blickpunkt war der bis zum Gewölbe emporreichende prächtige Hochaltar. Das Bild rundeten zwei dem Hadamarer Barock entstammenden Seitenaltäre ab, die je zwei Heiligenfiguren aufwiesen: Maria und Johannes unter dem Kreuz und die Jesuiten Stanislaus Kostka und Aloisius von Gonzaga. Sie wurden im Jahre 1728 in der Blütezeit des Hadamarer Barocks von Bildhauer Johann Theodor Düringer angefertigt. Besagte Figuren haben die Wirren der Zeit überstanden und gelangten im Jahre 2002 zurück in die Marienkirche.'

Infolge eines schweren Luftangriffs am 16. Dezember 1944 brannte die Marienkirche bis auf die Grundmauern nieder, die Inneneinrichtung versank in den Flammen. Unmittelbar nach dem Krieg setzte unter dem tatkräftigen Pfarrer Wilhelm Ochse der zügig vorangetriebene Wiederaufbau ein. Im Zuge der Instandsetzungen erhielt die Kirche anstelle des verbrannten hölzernen Rippengewölbes ein massives neobarockes Rundbogengewölbe. Die das Stadtbild prägende barocke Turmhaube konnte rekonstruiert werden. Im Verlaufe der Renovierung von 1973 wurde der schon von Bruder Hülse vorgesehene Durchbruch des großen Fensters und des Hauptportals an der Südseite verwirklicht. Auch der Altarraum erfuhr eine Umgestaltung, die zeitlos sein und dem erneuerten Liturgieverständnis des zweiten Vatikanischen Konzils entsprechen sollte.

Dies gelang durch die Arbeit der Dortmunder Bildhauerin Liesel Bellmann. Ihre Werke wollen dem Benutzer dienen. Die Motive sind geprägt von kraftvoller Strenge und der Pflanzenwelt entliehen. Besonders auffällig ist die Gestalt des Tabernakels. Hier schaut man auf Bronzetüren, die in geschlossenem Zustand eine aufkeimende Rosenknospe als Hinweis auf das neue Leben mit Christus versinnbildlichen wollen, ruhend auf einem Baumstamm aus Carrara-Marmor. (Textvorlage von Herrn Matthias Weißner)

Aus dem Kalender 'Denkmal des Monats 2009“ der Arbeitsgruppe Historische Stadtkerne in NRW - Regionalgruppe Südliches Westfalen (www.historische-stadtkerne-nrw.de).

Besichtigungen
Eine Besichtigung ist nach telefonischer Vereinbarung möglich.
Ansprechperson ist Herr Matthias Weißner, Tel. 0271-2382796.

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